Nach dem Waldbrand in Lingen: Wie groß ist die Feuergefahr im Emsland?

Einsatzkräfte der Feuerwehr bei Löscharbeiten auf einer brennenden Waldfläche im Emsland
Löscharbeiten beim Waldbrand in Bockholte am 14. August. Bild: Feuerwehr Werlte

Rund 3.000 Quadratmeter Wald brannten am 12. August an der Rheiner Straße in Lingen, im Verlauf des Tages waren bis zu 120 Einsatzkräfte gebunden. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes steht für das Emsland derzeit auf Stufe 3 von 5. Was das bedeutet, was im Wald verboten ist und wie gut die Feuerwehren vorbereitet sind.

Was in Lingen passiert ist

Lingen. Am Mittwoch, 12. August, wurden die Feuerwehren gegen 5:36 Uhr zu einem Waldstück an der Rheiner Straße gerufen, nordöstlich der Straße und südöstlich der B70. Betroffen waren rund 3.000 Quadratmeter Wald- und Vegetationsfläche in unwegsamem Gelände.

Zunächst rückten etwa 75 Einsatzkräfte mit 15 Fahrzeugen an, im Lauf des Einsatzes waren es rund 120. Alarmiert wurden zuerst die Ortsfeuerwehren Baccum und Bramsche, später kamen Brögbern, Altenlingen und Lingen dazu. Die Ortsfeuerwehr Osterbrock war mit ihrer Drohneneinheit im Einsatz, die Feuerwehr Groß Hesepe mit einem geländegängigen Erkundungsfahrzeug. Das THW Lingen baute die Wasserversorgung mit Faltbehältern auf, mehrere Landwirte halfen mit Wasserfässern aus. Über die Warn-App NINA wurden Anwohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Verletzt wurde niemand.

Zur Brandursache konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Sie verwies auf die derzeitige Trockenheit der Waldflächen.

Gefahrenstufe 3 von 5: Was der Index aussagt

Der Deutsche Wetterdienst berechnet täglich den Waldbrandgefahrenindex aus Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Niederschlag. Die Skala reicht von Stufe 1 (sehr geringe Gefahr) bis Stufe 5 (sehr hohe Gefahr), ausgegeben wird jeweils der Tagesmaximalwert. Für die Stationen Lingen-Baccum, Meppen und Dörpen galt am 15. August jeweils Stufe 3, also mittlere Gefahr. Im niedersächsischen Binnenland lagen viele Stationen an diesem Tag bereits bei Stufe 4.

Wichtig zur Einordnung: Der Wetterdienst warnt nicht selbst vor Waldbränden. Er liefert nur eine Entscheidungshilfe. Die verbindliche Einstufung nehmen die örtlichen Forst- und Ordnungsbehörden vor. Den tagesaktuellen Index gibt es unter dwd.de.

Dass die Lage kein Einzelfall ist, zeigt eine Zahl des Thünen-Instituts: Die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr hat sich in Deutschland fast verdoppelt, von durchschnittlich sechs Tagen pro Jahr im Zeitraum 1961 bis 1990 auf 11,3 Tage im Zeitraum 1991 bis 2020. Bundesweit zählte die Waldbrandstatistik 2025 insgesamt 1.175 Waldbrände, davon 128 in Niedersachsen.

Was im Emsland verboten ist

Der Landkreis Emsland hat am 16. Juli wegen der anhaltenden Trockenheit eine Waldbrandverordnung erlassen. Sie verbietet unter anderem, in Wald, Moor und Heide die befestigten Wege zu verlassen, die Flächen mit Kraftfahrzeugen zu befahren und außerhalb gekennzeichneter Flächen zu parken. Untersagt sind außerdem offenes Feuer, Rauchen, Grillen und der Umgang mit feuergefährlichen Stoffen. Zufahrten müssen für Feuerwehreinsätze frei bleiben. Verstöße können mit bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Ausgenommen sind unter anderem die Jagdausübung und die rechtmäßige Bewirtschaftung von Grundstücken.

Unabhängig von jeder Verordnung gilt in Niedersachsen ohnehin ein Grundsatz, den viele nicht kennen: Nach Paragraf 35 des Niedersächsischen Waldgesetzes ist es vom 1. März bis zum 31. Oktober verboten, in Wald, Moor und Heide sowie in gefährlicher Nähe davon Feuer anzuzünden oder zu rauchen. Das gilt die ganze Saison über, unabhängig vom Wetter. Grillen ist nur auf dafür angelegten Plätzen erlaubt. Wer brennende oder glimmende Gegenstände wegwirft, handelt ordnungswidrig.

Die unterschätzte Gefahr: das geparkte Auto

Ein Punkt, der bei Spaziergängern regelmäßig übersehen wird, ist der Abstellplatz des Autos. Der Katalysator erreicht innerhalb weniger Minuten bis zu 800 Grad Celsius. Trockenes Gras entzündet sich bereits ab etwa 300 Grad, allein durch die Wärmeabstrahlung von unten. Betroffen sind Benziner und Diesel gleichermaßen, Elektroautos nicht. Die Empfehlung lautet deshalb: nur auf Asphalt oder Schotter parken, nie auf trockenem Gras, Stoppelfeldern oder Waldboden. Wer so einen Brand auslöst, riskiert eine Anzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Ebenso wichtig: Waldwege sind Rettungswege. Ein zugeparkter Weg kann im Ernstfall darüber entscheiden, ob ein Löschfahrzeug an den Brandherd kommt.

Worauf Landwirte in der Ernte achten

Wie schnell es bei der Ernte gehen kann, zeigte ein Fall vom 21. Juli in Walchum: Eine Ballenpresse fing im Einsatz Feuer, das Feuer griff auf die Zugmaschine und die angrenzende Fläche über. 42 Feuerwehrleute waren im Einsatz, der Schaden lag bei rund 350.000 Euro. Der Fahrer blieb unverletzt.

Fachleute raten, auf jeder Erntemaschine einen geprüften Feuerlöscher mitzuführen und nach Möglichkeit ein wassergefülltes Fass bereitzuhalten. Maschinen sollten während der Erntezeit täglich von Staub und Ernterückständen befreit werden, Ballenpressen konsequent. Wer einen Grubber oder Pflug einsatzbereit hat, kann im Ernstfall eine Brandschneise ziehen. Und: Im Zweifel zuerst die 112 wählen, nicht erst selbst löschen.

Die Zusammenarbeit funktioniert im Emsland bereits. Kreisbrandmeister Holger Dyckhoff sagte Ende Juli: „Auch in diesem Jahr freuen sich die Feuerwehren auf die Hilfe aus der Landwirtschaft, denn gemeinsam können Vegetationsbrände gut bekämpft werden.“ Landwirte transportieren wassergefüllte Fässer an die Einsatzstellen und legen mit ihren Fahrzeugen Brandschneisen an.

Wie das Emsland vorbereitet ist

Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren gezielt in die Vegetationsbrandbekämpfung investiert. An der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Sögel entstand für rund 1,4 Millionen Euro eine neue Fahrzeug- und Katastrophenschutzhalle. Bei der Feuerwehr Hilkenbrook ist ein geländegängiges Utility Task Vehicle mit Löschanlage stationiert, das für Erkundungen in schwer zugänglichem Gelände und für Vegetationsbrände gedacht ist. Die Ortsfeuerwehr Lathen verfügt über ein Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz des Bundes. Die Kreisfeuerwehr Emsland hält einen eigenen Fachzug für Vegetationsbrandbekämpfung vor.

Auf Landesebene hat Niedersachsen 2026 rund 450.000 Euro in den Ausbau des automatisierten Waldbrandfrüherkennungssystems gesteckt, das inzwischen rund 20 Kameraeinheiten an 18 Standorten umfasst. Zusätzlich gingen 60 Feuerwehr-Rucksäcke mit Spezialwerkzeug und 51 mobile Pumpensysteme an Kreisfeuerwehrverbände und Kommunen in Risikogebieten.

Was tun, wenn es brennt?

Wer Rauch oder Feuer im Wald bemerkt, wählt sofort die 112. Wichtig für die Leitstelle sind: der möglichst genaue Ort, gern anhand markanter Punkte oder des nächsten Rettungspunktes, ob offene Flammen, Glut oder nur Rauch zu sehen sind, ob die Bodenvegetation oder bereits die Baumkronen brennen, in welche Richtung sich das Feuer ausbreitet und ob Menschen oder Gebäude gefährdet sind. Rettungspunkte im Wald lassen sich über die kostenlose App „Hilfe im Wald“ per GPS finden. Nicht in den Gefahrenbereich hineingehen.

Quellen: Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, Landkreis Emsland, Deutscher Wetterdienst, Niedersächsisches Waldgesetz, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Thünen-Institut, ACE Auto Club Europa

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