Großübung „Vechtekater“: Rund 1.000 Helfer proben in der Grafschaft Waldbrand, Hochwasser und Zugunglück

Übung am Bahnhof Bad Bentheim: Einsatzkräfte evakuieren Fahrgäste nach simuliertem Zugunglück mit Gefahrgut
Übungsszenario am Bahnhof Bad Bentheim: Nach einem simulierten Zusammenstoß von Güter- und Personenzug wurden die Fahrgäste evakuiert. Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Waldbrand in Itterbeck, Hochwasser in Nordhorn, Zugunglück mit Gefahrgut in Bad Bentheim: Diese drei Lagen waren am Samstag, 10. Oktober 2026, nur gespielt. Der Landkreis Grafschaft Bentheim hat mit der Katastrophenschutzübung „Vechtekater“ die größte Übung in seiner Geschichte abgehalten. Für die Bevölkerung bestand keine Gefahr.

Schon vor Sonnenaufgang rollten Kolonnen von Einsatzfahrzeugen durch den Landkreis, über der Niedergrafschaft kreisten Hubschrauber. Rund 1.000 Kräfte übten bis in den Nachmittag, darunter Feuerwehr, THW, DRK, Malteser, Johanniter, DLRG, Bundeswehr, Polizei, Psychosoziale Notfallversorgung, Rettungshundestaffel und CBRN-Einheiten. Unterstützung kam aus Nachbarkreisen, von Landeseinheiten Niedersachsens, aus Nordrhein-Westfalen und aus den Niederlanden.

Bad Bentheim: Fahrgäste aus dem Zug, Leck unter Schutzanzug abgedichtet

Am Bahnhof Bad Bentheim nahmen die Planer an, dass ein Personenzug mit einem Güterzug zusammenstößt und Gefahrstoffe austreten. Die Reisenden wurden aus den Waggons geholt, ärztlich versorgt und teilweise in einer eigens aufgebauten Anlage dekontaminiert. Spezialkräfte in ABC-Schutzanzügen sicherten parallel die Stoffe und schlossen das Leck.

Brandbekämpfung von oben: In Itterbeck übten mehrere Hubschrauber Löschwasserabwürfe. Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Itterbeck: Strohfeuer und Nebel für den Ernstfall

Auf einem Feld bei Itterbeck sorgten brennende Strohballen, Pyrotechnik und Nebelmaschinen für die Kulisse eines großen Wald- und Vegetationsbrandes. Bodentrupps und mehrere Hubschrauber arbeiteten zusammen, im Fokus stand die Abstimmung der Wasserabwürfe aus der Luft. Ein Jugendzeltlager in der Nähe musste dabei geräumt werden.

Auf der Vechte in Nordhorn wurden Sandsäcke per Boot transportiert und von Tauchern teils unter Wasser verbaut. Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Nordhorn: Starkregen nach Dürre setzt Innenstadt unter Wasser

In Nordhorn lautete die Annahme: Nach langer Trockenheit fällt Starkregen, das Wasser steht in der Innenstadt. Helfer füllten Sandsäcke, fuhren sie mit Booten über die Vechte und bauten daraus Wälle, zum Teil unter Wasser. Am Ölmühlenwehr pumpten Hochleistungspumpen. Gleich daneben retteten Taucher Menschen aus einem in der Vechte versunkenen Auto und holten den Wagen heraus. Für den Transport Verletzter stand der große Bundeswehr-Hubschrauber NH90 bereit, der viele Schaulustige und Fotografen an die Straßen lockte.

Begehrtes Fotomotiv: Der NH90 der Bundeswehr flog bei der Übung Verletzte aus. Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim

Schwachstelle Funk: Netz zeitweise zusammengebrochen

Gesteuert wurde die Übung aus dem Kreishaus in Nordhorn, wo rund 100 Personen in Katastrophenschutzstab, Technischer Einsatzleitung und Kommunikationseinheit selbst auf die Probe gestellt wurden. Dort zeigte sich auch das größte Problem des Tages: Das Digitalfunknetz fiel zeitweise aus, weil sehr viele Funkgruppen gleichzeitig gebraucht wurden. Die Autorisierte Stelle Digitalfunk Niedersachsen (ASDN) war im Stab vertreten und konnte die Störung noch während der Übung beheben.

Landrat Uwe Fietzek bewertet die Zusammenarbeit der Kräfte über Kreis- und Landesgrenzen hinweg als gelungen. Beim Funk fordert er jedoch Konsequenzen: „Die aufgetretenen Probleme müssen daher genauer untersucht werden. Hier muss die ASDN nachbessern.“ Die Beobachter werten jetzt jedes der drei Szenarien einzeln aus, daraus sollen konkrete Verbesserungen für den Katastrophenschutz in der Grafschaft folgen.

Quelle: Landkreis Grafschaft Bentheim

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