Die Unzähligen Wunder der Carmine Street von Sophie Chen Keller

Die Unzähligen Wunder der Carmine Street von Sophie Chen Keller. (Foto: Christine Leifeling)

Sophie Chen Keller wurde 1988 in Peking geboren. Schon früh wurde ihre Liebe zu Geschichten geweckt, als ihre Mutter, Lihua Yao, der kleinen Sophie unermüdlich vorlas. An der renommierten Universität, Harvard, absolvierte sie ihr Wirtschaftswissenschaften – Studium. Später entschied sie sich für das Schreiben. Die Kurzprosa der Autorin ist mehrfach ausgezeichnet. Neben ihrer Karriere als Schriftstellerin, modelt Sophie Chen Keller sehr gerne. Klavierspielen zählt zu ihren Hobbys und sie hegt eine gr0ße Leidenschaft für Bäckereien und Patisserien. Diese Liebe zu Backwaren findet sich auch in ihrem Debüt Roman wieder.

Die Unzähligen Wunder der Carmine Street (Titel der amerikanischen Originalausgabe The Luster of Lost Things ) von Sophie Chen Keller ist am 8. September 2017 als List Taschenbuch in den Ullstein Buchverlagen erschienen.

Übersetzt aus dem Amerikanischen wurde die romantische Fantasy Komödie von Corinna Rodewald.

Als sie anfing, an diesem Buch zu arbeiten, gab es noch keine genaue Vorstellung der fertigen Geschichte. Der ganze Schreibprozess ähnelte eher eine Reise. Sie habe sich vielmehr zunächst nur auf die Beendigung einzelner Sätze, Absätze und später dann ganzer Seiten konzentriert, so die Autorin. Sophie Chen Keller wünscht sich, dass ihr Roman dem Leser die Augen für ein wenig Magie öffnet.

Sophie Chen Keller lädt mit ihrem Debüt Roman, Die Unzähligen Wunder der Carmine Street auf ganz liebevolle Weise dazu ein, hinter die obersten Schichten zu blicken und eine wundersame Reise zu beginnen.

Walter Lavender Jr. ist erst zwölf Jahre alt, und doch hat er schon eine Menge Fälle gelöst. Dies Fälle bestehen aus dem Wiederfinden von geliebten Dingen. Walter kann seine Kunden sehr gut verstehen, denn auch er vermisst schon sein ganzen Leben lang etwas sehr schmerzlich. Sein Vater, Walter Lavender Senior, verschwand drei Tage vor der Geburt seines Sohnes. Er war als Kopilot an Board eines Flugzeugs auf dem Weg nach Mumbai unterwegs. Die Maschine gilt sei dem als verschollen. Als der kleine Walter Jr. fünf Monate alt wurde, eröffnete seine Mutter Lucy ihr Geschäft, zunächst mit eher mäßigem Erfolg. Als Lucy eines Nachts einer Künstlerin Unterschlupf gewährt, ändert sich das allerdings schlagartig. Die Malerin schenkt Lucy als Dank eine Geschichte, niedergeschrieben und illustriert in einem dünnen, aus sieben Seiten bestehenden, Buch. Seit dieser Nacht scheint sich das Blatt für Lucy und ihren kleinen Sohn, auf zauberhafte Weise, gewandelt zu haben. The Lavenders, Patisserie der kleinen Dinge, ist alles andere als eine gewöhnliche Backstube. In einer Vitrine, wie ein Schatz gehütet, bildet das magisches Buch das Herzstück zwischen allerlei, wahrhaft zauberhaften, Törtchen und Gebäck. Die Patisserie ist immer gut gefüllt. Von überall her kommen die Kunden um sich von Lucys Leckereien verwöhnen zu lassen. Wobei es eigentlich der Laden selbst ist, der ohne eine entschlüsselbare Logik folgend, bestimmt welche Gäste ihn finden mögen. Die Angestellten José und Flora helfen mit großer Leidenschaft und auch Walter Jr. arbeitet fleißig mit. Jeden Tag versucht er seinen Rekord im Croissants rollen zu toppen bevor er die Schule besucht. Dort hat er keine Freunde und wird oft von Mitschülern gehänselt. Schon als kleiner Junge spricht der introvertierte Junge sehr wenig. Die besorgte Lucy bringt ihr Kind zu verschiedenen Ärzten und die Diagnosen gehen von nur ein wenig zurückgeblieben oder geistig behindert über Autismus bis zur motorischen Sprachstörung. Eigentlich kommt Walter Jr. ganz gut mit seinem Schweigen zurecht. Um die Gedanken aus dem Gefängnis seines Kopfes zu befreien, schreibt er seine Eindrücke und Ideen in einem Notizbuch nieder. Als er sieben Jahre alt wird, entdeckt er seine Fähigkeit Verlorenes aufzuspüren. Mit einen Mischung aus akribischen Detektivarbeit, kindlicher Neugier und großem Feingefühl gelingt es ihm die kuriosesten Dinge zu finden und so die Fälle zu lösen. Bei einem dieser Aufträge, findet Walter Jr. den Hund Milton. Er darf ihn behalten und seit dem ist der übergewichtige Golden Retriever sein engster Freund. Alles könnte in Bester Ordnung sein, wäre da nicht der äußerst unsympathische, neue Vermieter. Das ganze Viertel soll attraktiver werden und die ersten Läden mussten schon schließen. Lucy und das Team bangen um das Lavenders. Als zu allem Unglück auch noch das Buch verschwindet und damit auch alle Magie, scheint das Schicksal um die Patisserie besiegelt zu sein. Aber so schnell gibt Walter Lavender Jr. sich natürlich nicht geschlagen. Zusammen mit Milton begibt er sich auf die Suche nach dem Buch. Durch ganz New York führt ihn sein Weg, auf dem er ziemlich ungewöhnliche Menschen trifft. Das Buch wurde mittlerweile in einzelne Seiten gerissen und seine erste Spur führt ihn zu Lan, der Flaschensammlerin. Der obdachlose Flaschendieb Nico, bringt Walter Jr. das laute Muhen bei. Er begegnet Junker und dessen Königreich aus weggeworfenen Dingen. Karl, der einsame Physikprofessor mit großer Leidenschaft zum Drachenfliegen, teilt seine unzähligen belegten Brote mit Walter Jr. Er weiht den Jungen in seine Pläne mit dem Drachen Carrie ein. Als er Walter Jr. das Fliegen bei bringt, wird ein langgehegter Wunsch war. Sein Ziel das Buch zu finden, scheint nicht nur greifbar, Walter Jr, kommt auch dem Geheimnis um seinen Vater endlich näher. Die wohl wichtigste Hilfe beim Aufspüren der letzten Seiten ist aber Ruby. Das zauberhafte Mädchen begleite ihn, mit verrückten Ideen, auf seiner Suche nach dem Buch und sich selbst.

So voller Zauber wie die Törtchen in Lavenders Patisserie. Sophie Chen Keller erzählt eine herzerwärmende Geschichte vom Vermissen, und Wiederfinden. Aber nicht nur geliebte Gegenstände warten darauf aufgespürt zu werden, es gilt auch den Weg zu sich selbst zu suchen.

Das Cover von Die unzähligen Wunder der Carmine Street ist auffallend hübsch gestaltet. Die tolle Haptik und die liebevollen Zeichnungen, die sich auch auf der Innenseite der Klappen fort setzen, erinnern fast ein wenig an ein Kinderbuch. Und tatsächlich ist der Protagonist in dem Roman gerade einmal zwölf Jahre alt. Es handelt sich hier aber nicht wirklich um einen Roman für junge Leser. Bücher über das Suchen und Finden liebgewonnener Gegenstände, lese ich sehr gerne. Hier erwartet den Leser nun eine ganz besondere Mischung. Sophie Chen Keller schreibt zwar über einen Jungen, der sich auf eine phantasievolle Suche nach einem magischen Buch begibt, schneidet dabei aber auch durchaus ernstere Themen an. Zunächst einmal war ich etwas verwundert über den Verlauf der Geschichte, fühlte mich aber sehr schnell in ihren Bann gezogen. Schon nach wenigen Seiten konnte ich mich voll und ganz auf dieses wahrlich zauberhafte Buch einlassen. Die Autorin schreibt in einer so liebevollen und bildlichen Art, dass es mir große Freude bereitet hat, Walter Lavender Jr. auf der Suche zu begleiten. Sie geht dabei sehr feinfühlig auf den Jungen und seine Besonderheiten ein. Walter Jr. leidet unter einer Sprachstörung und ist sehr introvertiert. Ich habe den kleinen Helden unglaublich schnell in mein Herz geschlossen. Dazu beigetragen hat auch, dass der Leser die abenteuerliche Reise quer durch New York, durch Walters Augen erlebt. Hinter all der Magie und Phantasie in diesem Roman, stecken aber auch sozial kritische Aspekte. Der Patisserie droht das aus, als der von Profitgier getriebene, neue Vermieter auftaucht. Offenbar ist eine gewinnbringende Kette mehr Wert, als ein alteingesessener Betrieb in dem Herz und Seele vor dem Geldbeutel stehen. Auf seiner Suche begegnet Walter Lavender Jr. ganz unterschiedlichen Weggefährten. Um dem Leser die Möglichkeit zu geben sich die, zum Teil schon ziemlich verschrobenen, Personen gut vorstellen zu können, beschreibt Sophie Chen Keller sie ganz detailliert. Hier gelingt es ihr gut, auch auf die Schicksale der einzelnen Figuren einzugehen. So haben mich zum Beispiel, die Erzählungen über Karl und dessen Verlust oder auch Josés Geschichte berührt. Für die Geschichte ganz wichtig war meiner Meinung nach auch Ruby. Sophie Chen Keller zeigt auch hier wieder zwei Seiten auf. Zum einen lässt sie das rothaarige Mädchen wie einen Sonnenstrahl durch die letzten Kapitel springen und zum anderen beschreibt sie sehr emotional aber doch aus kindlicher Sicht, wie Ruby mit ihrer Situation zu Hause umgeht. Mehr werde ich hier natürlich nicht verraten. Es lohnt sich auf alle Fälle selber nachzulesen, wie diese unglaubliche Reise weitergeht und ob es ein Happy End für das Lavenders gibt.

Mein Fazit zu Die unzähligen Wunder der Carmine Street von Sophie Chen Keller

Dieses Buch hat alles was zu einem zauberhaften Roman gehört : Eine wundervolle Geschichte mit viel Phantasie und Spannung, liebenswerte Charaktere und eine großen Portion Magie. Sophie Chen Keller zeigt uns mit ihrem herzerwärmenden Debüt, dass es sich lohnt auf die Suche zu gehen. Es sind nämlich nicht nur in der Carmine Street unzählige Wunder zu finden.