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Erdrückende Beweislage mit Tücken – der Videobeweis in der Bundesliga

Erdrückende Beweislage mit Tücken - der Videobeweis in der Bundesliga

Erdrückende Beweislage mit Tücken – der Videobeweis in der Bundesliga

Nun ist er also da – der Videobeweis. Mit der Torlinientechnologie hatte sich bereits der Vorreiter insgesamt positiv etablieren können und ebnete so den Weg zur Königsdisziplin im Bereich des technologisch unterstützten Schiedsrichtergespanns. Wie viel Beweis im Videobeweis letztendlich steckt, was das Ziel der Technologie ist und wo die Tücken im Detail stecken, möchten wir im Folgenden kurz betrachten. Hieraus lässt sich eine Meinung bilden, ob die Technik, den ersten Live-Erfahrungen nach zu urteilen, mehr Vorteile oder Nachteile für Spieler, den Fußball und den Bundesliga-Markt als solches bringt. Da für die Technik jede Menge Kameraperspektiven nötig sind, wird sie auf absehbare Zeit zwar weder für den Frauenfußball noch die Regionalliga relevant sein, dennoch diskutiert Fußballdeutschland kontrovers und das ist auch gut so.

Warum der ganze Aufwand?

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Quelle: Pixabay.com

Irgendwie gehörten sie immer dazu – Fehlentscheidungen im Fußball. Sie reichen vom Wembley-Tor oder auch der Schwalbe des Dortmunders Andi Möllers in der Saison 94/95 gegen den KSC, über Maradonnas Hand Gottes beim 1:0 im Jahr 1986 gegen England, bis hin zum Spiel Australien gegen Kroatien bei der WM 2006, als der Schiedsrichter Josip Simunic jeweils in der 61. und 90. Minuten eine gelbe Karte zeigte und ihn erst nach der 3. gelben Karte in der Nachspielzeit vom Platz stellte.

Sicher, derartige Fehlentscheidungen können spielentscheidend sein, das wissen Lokalschiedsrichter ebenso wie ein Unparteiischer, der ein WM-Finale pfeift. Insgesamt sind die Schiedrichterleistungen im professionellen Bereich aber so gut, dass Fehlentscheidungen nicht an der Tagesordnung sind. Auch darf man nicht vergessen, dass die letztendliche Entscheidungsgewalt nach wie vor beim Schiedrichter auf dem Platz liegt. Der “Beweis” ist also kein eigentlicher Beweis, sondern eher eine Empfehlung für den Referee, der nach wie vor über dem Video-Assistenten steht. Der Videobeweis geht aber noch über das Klären strittiger oder falscher Entscheidungen hinaus. Der Sport soll insgesamt fairer werden, strittige Entscheidungen lassen sich direkt vor Ort klären, wodurch der Glücksfaktor im Spiel reduziert werden soll. Dies macht das Spiel ein wenig kalkulierbarer, was nicht nur für Vereine, Spieler und die DFL ein Vorteil ist, sondern auch für Sportwettenanbieter, die Bundesligawetten führen. Wie sich dies letztendlich auf Wettquoten auswirkt, bleibt jedoch abzuwarten. Sicherlich nimmt es direkten Einfluss auf Wettergebnisse, die sich um gelbe Karten, Fouls oder Abseitssituationen drehen. Ob dies letztendlich positiv oder negativ ist, ist aber noch ungewiss.

Ein entscheidender Unterschied wird am Ende jedoch bleiben. Spiele, bei denen der Schiedsrichter am Ende als großer Loser dasteht, wird es so nicht mehr geben. Dies sieht auch der Schiedsrichter Felix Brych als großer Vorteil, wie er in einem FAZ-Interview offen zugab.

Wie der Start verlief

Beim Saisonauftakt gab es bereits beim Auftaktspiel des FC Bayern gegen Leverkusen eine strittige Szene, als der Schiedrichter ein Foul gegen Lewandowski im Strafraum erst nach Rücksprache mit dem Videoschiedsrichter ahndete, wobei die letztendliche Bewertung auch nach der Analyse eher subjektiv bewertbar blieb. Auch in den folgenden Spielen, wie beim 2:2 zwischen Bayer Leverkusen gegen TSG Hoffenheim, gab es eine Szene, die Rudi Völler laut Sport 1 in Rage versetzte. Völler war der Meinung, dem 2:2 durch Mark Uth in der 70. Minute sei ein Foulspiel an Leverkusens Benjamin Henrichs vorausgegangen.

Zu diversen weiteren strittigen Szenen kam dann noch die Tatsache hinzu, dass es zu technischen Pannen und Ausfällen beim Saisonauftakt kam. Am ersten Spieltag hatte es bei verschiedenen Erstligapartien Probleme gegeben, die zum Ausfall des Systems führten. Der Fehler lag hierbei laut Spiegel beim technischen Dienstleister Hawk-Eye, der für die Aufrechterhaltung der Funkverbindungen im Zusammenhang mit der Umsetzung des Videobeweises zuständig ist. Allerdings war die Bundesliga damit nicht allein, denn auch beim Einsatz anderer Systeme kam es zu Anfälligkeiten und Fehlern. Laut DFL und DFB konnten die Probleme aber nun beseitigt werden, sodass der Betrieb vorerst weiter geht, allerdings ohne die virtuelle Abseitslinie, die ebenfalls zu Problemen führte und daher zusätzlich für Gesprächsstoff sorgte. So beispielsweise beim Supercupspiel Bayern gegen den BVB, als eine knappe Abseitsentscheidung zu Gunsten der Bayern ausfiel, obwohl selbst die Linie kaum Aufschluss brachte.

Ist ein dauerhafter Einsatz denkbar?

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Quelle: Pixabay.com

Schlussendlich kam der Video-Assistent trotz Pannen auch beim darauffolgenden Spieltag zum Einsatz und die technischen Probleme werden in den Griff zu bekommen sein. Der amerikanische Profi-Football zeigt, wie sich der Videobeweis zum festen Bestandteil des Spiel etablieren und den Gerechtigkeitssinn steigern kann. So setzen sichsowohl DFB als auch seine Schiedsrichter dafür ein, den Videobeweis beizubehalten, da er laut Hellmut Krug eine wichtige Unterstützung für den Unparteiischen sein kann. Ob die Abseitslinie nun zum Einsatz kommt oder nicht, spielt hier eine untergeordnete Rolle. Schlussendlich waren die Probleme mit der Funkverbindung schnell beseitigt und die Vorteile der Technik überwiegen eindeutig die Nachteile. Laut DFL kämen beim Videobeweis 17 Kameras zum Einsatz und ein Eingreifen solleohnehin nur bei offensichtlichem Fehler des Unparteiischen erfolgen. Dies nimmt eine gewaltige Last von den Schiedsrichtern und wird letztendlich das Streitpotenzial über bestimmte wichtige Situationen in einem Spiel verringern. Ob die Befürchtung vieler Kritiker eintreten wird, dass die Tor-Anzahl abnehmen und der menschliche Aspekt im Spiel mit dem Ball verloren geht, darf bezweifelt werden, bleibt aber letztendlich abzuwarten. Auf den Lokalsport wie den SV Meppen 1912 e.V. hat der Video-Assistent derzeit ohnehin keine Auswirkung. Unklar ist auch, ob die Kritiker, die die Technik nach den ersten Pannen bereits ins Aus beförderten, wirklich Recht behalten werden. Man darf zudem bei all dem Trubel nicht vergessen, dass es sich derzeit noch um eine Testphase handelt.

 




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