
Für Höfe mit Tieren ist es die unangenehmere Zahl: Nicht das Getreide, sondern das Futter ist in diesem Jahr knapp. Der Deutsche Bauernverband hat am Dienstag seine Erntebilanz vorgelegt – und meldet neben 41,9 Millionen Tonnen Getreide vor allem dramatische Ausfälle bei Grünland und Silomais.
Auf dem Grünland wuchs nichts nach
Nach den ersten Schnitten sei auf manchen Flächen kaum Aufwuchs gekommen, berichtet der Verband. Wo das der Fall ist, reichen die Vorräte für den Winter nicht – der DBV hält es für wahrscheinlich, dass Betriebe Tierbestände abbauen. Für eine Region wie das Emsland mit ihrer starken Veredelungswirtschaft ist das die relevanteste Aussage der ganzen Bilanz.
Getreide: sieben Prozent unter Vorjahr
Die Getreidemenge liegt mit 41,9 Millionen Tonnen sieben Prozent unter dem Vorjahr (45,2 Millionen Tonnen). Der Durchschnittsertrag über alle Arten beträgt 68,9 Dezitonnen je Hektar, neun Prozent weniger als 2025.
Im Einzelnen: Winterweizen 20,9 Millionen Tonnen bei 72,1 dt/ha (minus neun Prozent), Wintergerste 9,5 Millionen Tonnen bei 75,6 dt/ha (minus vier Prozent). Am härtesten traf es den Winterraps mit 29,1 dt/ha – ein Ertragsminus von 20 Prozent, dazu Schäden durch Erdfloh und Kohlschotenmücke. Ursachen sind laut Verband ein zu trockenes Frühjahr und die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte.
Süden und Westen härter getroffen
„Die diesjährige Ernte ist durch große regionale Unterschiede gekennzeichnet. Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben die fehlenden Niederschläge zu schwachen Erträgen und sogar zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, sagt Verbandspräsident Joachim Rukwied.
Was der Verband von Berlin will
Weil niedrige Erträge auf hohe Betriebskosten treffen, fordert der DBV ein Sofortpaket: das Düngemittelhilfspaket auf 180 Millionen Euro aufstocken, 80 Prozent der Direktzahlungen im Oktober auszahlen und die restlichen 20 Prozent garantiert im Dezember, dazu eine sofortige Senkung der Dieselsteuer.
Die Schätzung stützt sich auf Meldungen der Landesbauernverbände sowie auf langjährige Mittelwerte des Statistischen Bundesamtes und des DBV.