
Die Getreideernte ist in weiten Teilen Niedersachsens abgeschlossen. Die Trockenheit ist es nicht.
Während das Landesamt für Statistik Niedersachsen am 25. August 2026 seine vorläufige Erntebilanz vorlegt, stehen die Kulturen, die noch auf dem Acker sind, weiter unter Druck. Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben leiden nach Angaben der Statistiker an erheblichem Trockenstress, besonders auf den leichten Standorten – also genau auf den Sandböden, die im Emsland und in der Grafschaft Bentheim verbreitet sind. Auch das Grünland leidet stark. Für die Futterversorgung im Winter ist damit noch nichts entschieden: Eine belastbare Bewertung ist erst nach Abschluss der jeweiligen Ernten möglich.
Beim Getreide entschied der Reifezeitpunkt
Beim Getreide lässt sich dagegen schon Bilanz ziehen, und sie fällt gespalten aus. Landesweit wurden rund 5,5 Millionen Tonnen ohne Körnermais geerntet, 3,4 Prozent weniger als im sehr guten Vorjahr. Entscheidend war eine Hitze- und Trockenperiode Ende Juni, die viele Bestände mitten in der Kornfüllungsphase erwischte: beschleunigte Abreife, kleinere Körner, Schmachtkorn und niedrigere Hektolitergewichte.
Wer früh reif war, kam davon. Die Wintergerste stand vor der Hitzephase und lieferte 78,7 Dezitonnen je Hektar, 8,4 Prozent über dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025. Roggen, Sommergerste und Hafer lagen ebenfalls über dem Vorjahr. Der Winterweizen dagegen verlor 7,6 Prozent Ertrag, die Erntemenge sank um 9,5 Prozent auf rund 2,87 Millionen Tonnen.
Der Raps war der große Verlierer
Am deutlichsten brach der Winterraps ein: 32,5 statt 40,5 Dezitonnen je Hektar bedeuten ein Minus von 19,8 Prozent. Dass die Erntemenge mit 361.600 Tonnen nur um 8,3 Prozent unter dem Vorjahr blieb, liegt an der um 14,4 Prozent größeren Anbaufläche. Neben Hitze und örtlichem Hagel nennen die Betriebe Kohlschotenmücke, Kohlschotenrüssler und Erdfloh als Ursachen.
Ein Jahr unter dem Vorjahr, aber über dem Schnitt
Bei aller Ernüchterung lohnt der Blick auf den längeren Zeitraum: Über alle Getreidearten hinweg liegt der Hektarertrag mit 72,9 Dezitonnen 2,6 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Der Rückgang misst sich an einem außergewöhnlich starken Jahr 2025.
Zahlen für Emsland und Grafschaft fehlen noch
Die Statistik weist die Ergebnisse bislang nur für das gesamte Land aus. Wie stark die Höfe zwischen Papenburg und Nordhorn im Einzelnen betroffen sind, hing nach Darstellung des Landesamts vor allem an den Wasservorräten des jeweiligen Standorts – und geht damit auch innerhalb der Region weit auseinander.
Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen, Pressemitteilung 084/2026 vom 25. August 2026. Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung, Stand August 2026.