
Gleich zwei der drei niedersächsischen Raffineriestandorte liegen im Emsland, und beide sollen in der neuen Raffineriestrategie des Bundes eine Rolle spielen. Das hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) beim Start des Strategieprozesses am Freitag, 23. Oktober 2026, in Berlin deutlich gemacht.
Bund, Länder und Gewerkschaften an einem Tisch
Eingeladen hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Gemeinsam mit Unternehmen und Gewerkschaften soll eine Strategie entstehen, wie die deutschen Raffinerien Versorgungssicherheit gewährleisten, wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig klimaneutral werden können. Tonne begrüßte, dass Bund und Länder das Thema gemeinsam angehen.
Lingen und Salzbergen als Rückgrat der Industrie
Die bp-Raffinerie in Lingen und die traditionsreiche Raffinerie in Salzbergen, gegründet 1860, beliefern Industrie, Speditionen, Flughäfen und Verbraucher. Für die Chemiebranche sind ihre Produkte ein unverzichtbarer Rohstoff. Neben den Arbeitsplätzen in den Werken hängen zahlreiche Betriebe in der Region an den Standorten. Dritter Standort im Land ist Wilhelmshaven.
Wasserstoff als Zukunft der Raffinerien
Nach Vorstellung der Landesregierung sollen die Raffinerien nicht schrumpfen, sondern sich wandeln: weg vom reinen Erdöl, hin zu grünem Wasserstoff, nachhaltigen Kraftstoffen und geschlossenen Kohlenstoffkreisläufen. Das Emsland hat hier mit den Elektrolyseprojekten in Lingen bereits einen Vorsprung. Landesweit sieht Tonne gute Voraussetzungen durch das Wasserstoffkernnetz, Speicherkavernen, die Importinfrastruktur in Wilhelmshaven und die Offshore-Windkraft.
Forderungen an Berlin
Ohne passende Rahmenbedingungen werde der Umbau nicht gelingen, warnt das Land. Es verlangt bezahlbare Energiepreise, schnellere Genehmigungen, einen zügigen Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur und einen Emissionshandel, der Investitionen in klimafreundliche Anlagen fördert, statt Produktion aus Europa zu vertreiben.
Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen