1.660 Lehrstellen im Emsland noch frei – und 64 Prozent der jungen Arbeitslosen ohne Abschluss

Emsland. Wer bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, muss das Jahr nicht abschreiben: Rund 1.660 Lehrstellen sind im Landkreis Emsland noch frei. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hin und beruft sich auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. Eine zweite Zahl aus derselben Quelle macht deutlich, warum das mehr als ein Serviceangebot ist: 64 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahren im Landkreis haben keinen Berufsabschluss.
Diese 64 Prozent sind der Punkt, an dem die regionale Erfolgsgeschichte eine Kehrseite bekommt. Wie wir heute Vormittag berichtet haben, gibt es in Emsland und Grafschaft Bentheim deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Am Angebot scheitert also niemand – wer aber einmal ohne Abschluss dasteht, findet trotzdem schwer zurück.
Wo im Emsland noch Plätze frei sind
Die IG BAU hat die Zahlen für ihre eigenen Branchen aufgeschlüsselt:
- 185 freie Ausbildungsplätze im Baugewerbe
- 23 bei Malern und Lackierern
- 22 im Garten- und Landschaftsbau
- 6 bei Dachdeckerbetrieben
Das sind zusammen 236 Plätze – die übrigen gut 1.400 verteilen sich über alle anderen Branchen im Landkreis.
Zur Einordnung: Die 1.660 Plätze beziehen sich auf den Landkreis Emsland und den Stand August 2026. Die häufig zitierte Zahl von rund 2.450 offenen Stellen stammt aus dem Sommer 2025 und umfasst den gesamten Agenturbezirk Nordhorn, also Emsland und Grafschaft Bentheim zusammen. Die Werte widersprechen sich nicht, sie beschreiben unterschiedliche Gebiete zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
„Selbst im Oktober stellen Betriebe noch ein“
Herbert Hilberink, Vorsitzender der IG BAU Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, rät jungen Menschen ohne Abschluss, sich noch einmal umzusehen: „Jetzt im August und September starten die Ausbildungen. Aber selbst im Oktober stellen Ausbildungsbetriebe noch ein.“
Sein Argument für die Ausbildung ist ein wirtschaftliches: „Mit einer Ausbildung in der Tasche sind die Jobs, die man ein Berufsleben lang macht, in der Regel sicherer und vor allem auch deutlich besser bezahlt.“ Er empfiehlt, direkt auf Betriebe zuzugehen – auch ohne ausgeschriebene Stelle: „Wer direkt nachfragt, holt oft auch etwas für sich heraus – ein Praktikum, vielleicht aber auch einen Ausbildungsplatz.“
Als Gewerkschaft rät die IG BAU dabei ausdrücklich zu Betrieben mit Tarifvertrag. Neben dem Beruf selbst seien auch die Ausbildungsqualität und die Übernahmeperspektiven nach dem Abschluss wichtig.
259.000 Betroffene in Niedersachsen
Die Größenordnung des Problems reicht weit über den Landkreis hinaus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben in Niedersachsen rund 259.000 junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch einen Ausbildungsplatz.
Wo es Beratung gibt
- Jugendberufsagentur: servicestelle-jba.de
- Agentur für Arbeit: arbeitsagentur.de/bildung, Beratung vor Ort oder digital
Quelle: Pressemitteilung der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, auf Basis von Zahlen der Arbeitsagentur und des Statistischen Bundesamtes.


