Grafschaft Bentheim

„Ich wäre so gerne arbeitslos“: Grafschafterin leitet Hilfsorganisation in der Ukraine

Kondensatormikrofon in einem Tonstudio, Symbolbild für einen Podcast
Symbolbild: Jonathan Velasquez / Unsplash

Ihr größter Wunsch klingt ungewöhnlich: Anna Elsbernd aus der Grafschaft Bentheim möchte, dass ihre Arbeit eines Tages überflüssig wird. „Ich wäre so gerne arbeitslos“, sagt sie im Podcast „Friedensreiter“ des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen.

Von der Grafschaft Bentheim an die Front

Elsbernd stammt aus der Grafschaft Bentheim und engagiert sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 in der Ukraine. Heute leitet sie die Hilfsorganisation Universal Aid Ukraine. Deren Team bringt Zivilisten aus umkämpften Frontgebieten in Sicherheit, unter anderem in und um Kramatorsk. Ihre Arbeit sei lebensgefährlich: Der zunehmende Drohneneinsatz habe den Krieg verändert, und an kaum einem Tag vergehe die Arbeit des Teams ohne unmittelbare Bedrohung.

Warum der Wunsch nach Arbeitslosigkeit? Er bedeutet, dass die Evakuierungen irgendwann nicht mehr gebraucht würden.

Was in Kramatorsk nach ihren Worten fehlt

Zur Lage in der Stadt sagt Elsbernd: „Wir haben keinen Strom. Wir haben kein Wasser.“ Selbst Wasserholen oder Einkaufen könne gefährlich sein. Als Beispiel schildert sie, Menschen seien erst kürzlich an einer Kirche beim Wasserholen von russischen Drohnen angegriffen worden, wenige Tage später sei auch die Kirche zerstört worden. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt dem Portal nicht vor.

Die Angst, alles zu verlieren

Viele Menschen bleiben trotz der Gefahr in ihren Häusern. Elsbernd führt das auf die Sorge zurück, Zuhause, soziale Bindungen und wirtschaftliche Sicherheit zu verlieren. Ihr Team setze deshalb auf Vertrauen und versuche, die Betroffenen rechtzeitig von einer Evakuierung zu überzeugen. Die politische Haltung der Menschen spiele bei der Hilfe keine Rolle, betont sie: Jeder habe das Recht auf ein sicheres Leben.

Was sie vom Ende des Krieges hält

Auch zur Debatte über ein Kriegsende äußert sich die Helferin. Ein Frieden, der die Abtretung ukrainischer Gebiete erzwinge, sei aus ihrer Sicht kaum vorstellbar. Für die in Deutschland beklagte „Kriegsmüdigkeit“ zeige sie wenig Verständnis. Das ist ihre persönliche Einschätzung.

Podcast aus Lingen und Hamburg

„Friedensreiter“ produzieren das Ludwig-Windthorst-Haus, die Katholisch-soziale Akademie des Bistums Osnabrück in Lingen, und das Institut für Frieden und Militärethik (IFME) in Hamburg. Die Hosts sind Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld und LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink. Der Name geht auf die Friedensreiter zurück, die bei den Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges zwischen den Delegationen in Münster und Osnabrück vermittelten.

Die Folge mit Anna Elsbernd erscheint am 29. Oktober 2026. Der Podcast läuft seit Oktober 2024, hat nach Angaben der Macher mehr als 250.000 Aufrufe und ist als Video auf YouTube sowie auf den gängigen Audio-Plattformen zu finden. Alle Links: linktr.ee/friedensreiter.

Quelle: Ludwig-Windthorst-Haus Lingen, Pressemitteilung. Symbolbild: Jonathan Velasquez / Unsplash.

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